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400 Beschäftigte des Einzelhandels folgten dem Streikaufruf

400 Beschäftigte des Einzelhandels folgten dem Streikaufruf

Am 13.05.2017 folgten rund 400 Beschäftigte des Einzelhandels dem Streikaufruf von ver.di. Kolleginnen und Kollegen von H&M, Real, Karstadt, Karstadt Sports, Zara, Kaufland, Toys ´r ´ us, Kaufhof, Ikea und LS Travel forderten im Rahmen eines Demonstrationszuges durch die Landeshauptstadt eine nachhaltige Verbesserung ihrer Einkommenssituationen. Der Einzelhandel gehört zu der größten Branche mit den meisten Beschäftigten. Die Unternehmen des Handels tragen ihren Verdrängungswettbewerb immer massiver auf dem Rücken der Beschäftigten aus. Der Handel ist die Branche, in der prekäre Beschäftigung über die Jahre überproportional zugenommen hat. Der Arbeitgeberverband ermöglicht es auch durch die sogenannte „O“(hne) „T“(arifbindung)-Mitgliedschaft, dass Unternehmen Einfluss auf die Tarifpolitik nehmen, aber selbst keine Tariflöhne bezahlen. Der tarifliche Stundenlohn für Verkäufer/innen und Kassierer/innen beträgt derzeit 15,16 Euro. Viele namenhafte Unternehmen zahlen für die gleiche Tätigkeiten Stundenlöhne vom Mindestlohn 8,84 Euro bis 12,- Euro. Bei einer Vollzeitbeschäftigung sind dies schon 300 bis 1.000,- Euro weniger Bruttoeinkommen als tarifgebundene Beschäftigte bekommen. Aber Vollzeitbeschäftigung ist bei den Handelsunternehmen auch nicht mehr erwünscht. Mittlerweile arbeiten weit über 60% der Beschäftigten im Handel in Teilzeit; doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt aller Branchen. Und nicht „freiwillig“, wie der Arbeitgeberverband behauptet, sondern weil die Unternehmen Vollzeitbeschäftigung und Stundenaufstockungswünsche ihrer Beschäftigten verweigern. Entsprechend niedrig sind die Einkommen der Beschäftigten im Einzelhandel. 600,- Euro bis 1.000,- Euro netto sind keine Ausnahmen sondern zunehmend die Regel. Ein Einkommen unterhalb der Grundsicherung, das oft durch Hartz IV-Aufstockung ausgeglichen werden muss. Altersarmut ist vorprogrammiert: Bei Einkommen unterhalb 2.000,- Euro brutto liegt die zu erwartende Altersrente unterhalb der Grundsicherung von 850,- Euro. Wer kann von 850,- Euro leben und Miete bezahlen? Rund 80% aller Beschäftigungsverhältnisse im Einzelhandel droht auf Grund der Einkommensrealitäten Altersarmut und ein unwürdiges Leben nach jahrelanger guter und harter Arbeit. Und es betrifft vor allem Frauen!

Deshalb fordern wir, die Kolleginnen und Kollegen im Handel in der Tarifrunde 2017:

  •  eine Anhebung der Löhne und Gehälter um 1,- Euro pro Stunde, um auch gerade untere Einkommensschichten stärker zu berücksichtigen,
  • eine Anhebung der Ausbildungsvergütung auf 1.000,- Euro im ersten Lehrjahr bzw. 1.100,- und 1.200,- in den weiteren Lehrjahren,
  • und dass die Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklärt werden, um das Lohndumping im Handel zu stoppen!